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Die Original Prusa XL hat sich lange als großformatiger, modularer FDM-Drucker mit austauschbaren Toolheads profiliert. Im Jahr 2026 erhielt sie jedoch ein Upgrade, das sie vom klassischen Kunststoffdruck in die Welt echter Industriematerialien verschiebt: den neuen Silicone Printing Toolhead, entwickelt vom Startup Filament2 exklusiv für die Prusa XL.
Dieser Plug-and-Play-Toolhead ermöglicht den Druck mit zweikomponentigem, temperaturbeständigem Silikon und anderen Flüssigmaterialien ähnlicher Art. Was bedeutet das in der Praxis für Prusa-XL-Anwender, wie funktioniert der Silikondruck und für welche Anwendungen ist er sinnvoll? Sehen wir uns das im Detail an.
Bisher wurden die meisten „iblen“ Teile auf Desktop-Druckern aus TPU-/TPE-Filamenten gedruckt. Diese sind zwar ibel, aber:
Demgegenüber Silikonelastomere (insbesondere zweikomponentige RTV-/LSR-Systeme):
Die Möglichkeit des 3D-Drucks mit echtem Silikon eröffnet daher die Herstellung von Teilen, die im Desktop-3D-Druck bisher praktisch unerreichbar waren – entweder musste man auf sehr teure industrielle LAM-Systeme umsteigen oder indirekte Methoden verwenden (eine Form drucken und Silikon darin gießen).(innovatiq.com)
Prusa Research stellte den Silicone Printing Toolhead für die Original Prusa XL offiziell als eines der Schlüsselelemente zur Erweiterung des XL-Toolhead-Ökosystems vor.(blog.prusa3d.com)
Die wichtigsten Eigenschaften aus Sicht des Anwenders:
Im Gegensatz zu einem klassischen FDM-Extruder drucken Sie hier kein Filament, sondern extrudieren kontrolliert zwei Komponenten eines flüssigen Materials in die Düse, wo sie gemischt und anschließend Schicht für Schicht aufgetragen werden.
Standardmäßige RTV2-/LSR-Silikone sind zweikomponentige Systeme, die nach dem Mischen beginnen, chemisch auszuhärten. Damit der Druck stabil und reproduzierbar ist, muss man:
Dazu dient die Mischdüse: Die beiden Komponenten werden getrennt extrudiert und treffen erst im statischen Mischer in der Düse aufeinander, wo eine homogene Mischung entsteht.(lynxter.fr)
Das extrudierte Silikon ist relativ viskos – es behält seine Form und ermöglicht das Schichten in die Höhe. Je nach verwendeter Mischung kann es zu Folgendem kommen:
Dadurch lassen sich drucken:
Eine der naheliegendsten Anwendungen ist die Herstellung von Dichtungen und iblen Verbindungen:
Der 3D-Druck spart hier Zeit und Kosten, da weder eine Form hergestellt noch Werkzeugausrüstung für den Spritzguss bestellt werden muss.(stratasys.com)
Eine weitere häufige Anwendung ist die Herstellung von Silikonformen zum Gießen von Harzen oder niedrigschmelzenden Metallen. Neben dem traditionellen Gießen in von Hand vorbereitete Formen verbreitet sich auch ein Ansatz, bei dem man:
Diese Methode wird bereits heute zur effizienten Herstellung von Silikonteilen aus 3D-gedruckten Formen eingesetzt und ergänzt sich synergetisch mit dem direkten Silikondruck.(cn.3dsystems.com)
Dank der Biokompatibilität einiger Silikonsysteme sind folgende Anwendungen denkbar:
In der Praxis müssen selbstverständlich die regulatorische und materialbezogene Zertifizierung geprüft werden, aber aus Design- und Prototyping-Sicht handelt es sich um einen äußerst attraktiven Bereich.(stratasys.com)
Silikondruck eignet sich ideal für pneumatische Aktoren, weiche Gelenke, Membranen und ible Scharniere. In Verbindung mit festen Kunststoffen (die mit einem anderen XL-Toolhead gedruckt werden) lassen sich hybride Baugruppen herstellen:
Ein Trend in Forschung und Industrie ist gerade die Kombination mehrerer Materialien in einem Prozess – und das modulare XL-Ökosystem mit verschiedenen Toolheads passt gut zu dieser Vision.(sciencedirect.com)
Nicht jedes Zweikomponenten-Silikon eignet sich für den 3D-Druck. Achten Sie auf Systeme, die der Hersteller als:
Bei Materialien mit sehr kurzer Verarbeitungszeit besteht die Gefahr, dass die Mischdüse verklebt und verstopft. Bei zu dünnflüssigen Mischungen kann es hingegen Probleme mit dem Formhalt geben.
Auch wenn der Silikon-Toolhead Plug-and-Play-fähig ist, sollten Sie einige Punkte beachten:
Statische Mischdüsen sind bei Zweikomponentensystemen Verbrauchsmaterial – nach einiger Zeit härtet das Material darin aus. Das allgemeine Vorgehen:
Silikon verhält sich anders als fester Kunststoff. Berücksichtigen Sie bei der Konstruktion:
In vielen Fällen ist es vorteilhaft, Silikon mit einem anderen Material in einer Baugruppe zu kombinieren – beispielsweise eine Nut oder einen Sitz in einem Kunststoffteil vorzusehen und Silikon darin zu drucken oder einzulegen.
Die Original Prusa XL ist als Plattform mit mehreren Toolheads konzipiert – von Standardextrudern über Hochtemperatur-Hotends bis hin zu spezialisierten Modulen. Die Ergänzung um den Silikon-Toolhead von Filament2 fügt sich in den allgemeinen Trend des 3D-Drucks ein:
Industrielle Silikondrucker mit LAM-Technologie oder spezialisierte IDEX-Maschinen kosten weiterhin ein Vielfaches und richten sich an große Unternehmen.(innovatiq.com) Der Silikon-Toolhead für die XL bietet einen zugänglicheren Einstieg in die Welt des echten Silikondrucks für Entwicklungsabteilungen, kleinere Hersteller, Designer oder Universitätslabore.
Der neue Silikon-Toolhead von Filament2 für die Original Prusa XL bedeutet eine wesentliche Erweiterung der Möglichkeiten des Desktop-3D-Drucks:
Wenn Sie die Prusa XL bereits für Prototyping, die Herstellung von Vorrichtungen oder die Kleinserienfertigung von Kunststoffteilen einsetzen, kann der Silikon-Toolhead genau der Schritt sein, der Ihren Drucker in eine Multimaterial-Fertigungsstation verwandelt – ohne dass Sie eine weitere Spezialmaschine anschaffen müssen.
Für eine vertiefte Orientierung in diesem Thema lohnt es sich, allgemeine Trends im 3D-Druck mit flüssigen und pastösen Materialien zu verfolgen und Projekte nicht unter dem Gesichtspunkt „Was kann FDM-Kunststoff?“, sondern unter der Frage zu betrachten, welches Funktionsteil Sie benötigen – und welches Material (Kunststoff, Silikon, Kombination) dafür tatsächlich ideal ist.