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    Prusa Core One + Bondtech INDX: automatischer Werkzeugwechsel der nächsten Generation

    Prusa Core One + Bondtech INDX: automatischer Werkzeugwechsel der nächsten Generation

    Als Prusa den geschlossenen CoreXY-Drucker Core One vorstellte, war von Anfang an klar, dass er sich nicht nur an Hobbyanwender, sondern auch an kleine Produktionsbetriebe und professionelle Werkstätten richtet. Es fehlte jedoch ein entscheidendes Puzzleteil: eine intelligente, zuverlässige und praktische Lösung für den Multimaterialdruck.

    Dieses Puzzleteil ist Bondtech INDX – ein speziell für den Prusa Core One (und Core One+) entwickelter automatischer Toolchanger, der das Drucken mit bis zu acht Materialien ohne die klassischen Nachteile von Multimaterialsystemen ermöglicht.

    In diesem Artikel sehen wir uns an:

    • was Bondtech INDX genau ist und wie es funktioniert,
    • welche Vorteile es gegenüber MMU und klassischen Toolchangern bietet,
    • für wen sich die Kombination Prusa Core One + Bondtech INDX wirklich lohnt,
    • praktische Tipps für die Planung von Projekten und Workflows.

    Was ist Bondtech INDX und warum ist es ein großer Schritt nach vorn

    Bondtech INDX (INduction Dynamic eXtruder) ist ein modulares System zum automatischen Werkzeugwechsel, das den Core One zu einer vollwertigen Multimaterial-Produktionsplattform macht.

    Die wichtigsten Eigenschaften von INDX

    Aus den derzeit verfügbaren Informationen geht hervor, dass INDX mehrere grundlegende Innovationen mit sich bringt: (prusa3d.com)

    1. Bis zu 8 Werkzeuge / Materialien gleichzeitig

      • die Basis kann eine Konfiguration mit vier Werkzeugen sein, die auf bis zu acht Werkzeuge erweitert werden kann,
      • jedes Werkzeug verfügt über eine eigene Düse und einen eigenen Filamentweg.
    2. Smart Toolhead

      • Aluminiumgehäuse mit integrierter induktiver (INDX) Schnellheizzone, die die Düse innerhalb weniger Sekunden von Raumtemperatur auf die Drucktemperatur aufheizen kann,
      • dynamischer Dual-Drive-Förderer, der sich automatisch an harte und weiche Materialien (PLA, PETG, Nylon, TPU usw.) anpasst,
      • Kontaktsensoren zur präzisen Erfassung von Temperatur und Position.
    3. Passive Werkzeuge (Thin Passive Tools)

      • die einzelnen Werkzeuge sind extrem dünn – ein Abstand von etwa 35 mm ermöglicht es, bis zu 8 Werkzeuge auf relativ kompaktem Raum unterzubringen, (prusa3d.com)
      • das passive Werkzeug enthält lediglich den Filamentweg, die Düse und die Kühlung – keine eigene Elektronik.
    4. Automatischer Wechsel ohne massiven beweglichen Druckkopf

      • Der Core One verwendet einen aktiven Extrusionskern (Smart Toolhead), der automatisch an das ausgewählte passive Werkzeug andockt,
      • dadurch wird das Gewicht des bewegten Teils minimiert, was entscheidend für Druckgeschwindigkeit und -qualität ist.

    Das Ergebnis ist ein System, das sich wie ein Toolchanger verhält, dabei aber relativ kompakt, schnell und wirtschaftlich bleibt.


    Core One, MMU3 und INDX: Wo liegen die Unterschiede

    Noch vor INDX gab es für Prusa-Drucker die Multimateriallösung MMU3 (Multi Material Upgrade 3), die bis zu 5 Filamente einer Düse zuführen kann. Auch für den Core One ist sie vorgesehen, doch das Prinzip unterscheidet sich von INDX. (3druck.com)

    MMU vs. INDX – zwei Ansätze für Multimaterial

    MMU3:

    • 1 Düse, bis zu 5 Filamente,
    • der Materialwechsel erfolgt durch das Umschalten der Filamente zu einer einzigen Düse,
    • dabei muss immer eine bestimmte Filamentlänge extrudiert und eingezogen werden (Purge),
    • besonders geeignet für Farbdruck mit ähnlichen Materialien.

    Bondtech INDX am Core One:

    • bis zu 8 eigenständige Werkzeuge mit eigener Düse,
    • praktisch kein Bedarf an Purge-Türmen, da jedes Material eine eigene Düse besitzt,
    • schnelles Aufheizen / Abkühlen der Düse durch Induktionserwärmung,
    • ideal nicht nur für Farben, sondern vor allem für die Kombination unterschiedlicher Materialien.

    Wann MMU und wann INDX sinnvoll ist

    • Wenn Sie hauptsächlich mehrere Farben innerhalb eines Materials möchten (z. B. PLA-Figuren, Logos, Beschriftungen) und auf die Kosten des Upgrades achten, ist MMU3 nach wie vor eine sehr vernünftige Lösung.
    • Wenn Sie jedoch technische Materialien kombinieren möchten, Abfall minimieren und Wechselzeiten verkürzen möchten oder auf eine semiprofessionelle Produktion skalieren möchten, ist eine Investition in Core One + INDX sinnvoller.

    Wie der Werkzeugwechsel in der Praxis funktioniert

    Auch wenn sich die detaillierte Implementierung in Prusa Slicer und der Firmware noch weiterentwickeln kann, lässt sich das Prinzip anhand der verfügbaren Materialien wie folgt zusammenfassen: (prusa3d.com)

    1. Parken des aktiven Werkzeugs

      • Der Druckkopf fährt in die Dockingposition,
      • das aktive Werkzeug (die Düse) wird mechanisch vom Smart Toolhead getrennt.
    2. Auswahl des neuen Werkzeugs

      • Der Kopf fährt zu einem anderen Docking-Slot,
      • der Smart Toolhead wird präzise ausgerichtet und mechanisch mit dem nächsten passiven Werkzeug verbunden.
    3. Schnelles Aufheizen und Materialkontrolle

      • die Induktionserwärmung erhitzt die Düse innerhalb weniger Sekunden auf die benötigte Temperatur,
      • der Extruder passt den Anpressdruck automatisch an den Filamenttyp an.
    4. Fortsetzung des Drucks

      • Der Druck wird an der Stelle fortgesetzt, an der das vorherige Werkzeug aufgehört hat,
      • das System kann Kalibrierlinien am Rand des Druckbetts anstelle eines Purge-Turms verwenden.

    Dadurch ist es möglich, Materialien und Farben nahezu ohne Stillstandszeiten zu wechseln und ohne Dutzende Gramm Abfall bei jedem Druck.


    Warum INDX für Kleinserien und Auftragsfertigung interessant ist

    Die Verbindung von Core One + INDX ist nicht nur ein Spielzeug für Enthusiasten; sie richtet sich insbesondere an Profis, Prototypenwerkstätten und kleine Hersteller.

    Die wichtigsten Vorteile für den professionellen Einsatz

    1. Weniger Abfall, geringere Materialkosten

      • Klassische Multimaterialsysteme (einschließlich AMS und MMU) erzeugen bei jedem Farb- oder Materialwechsel Abfall in Form von Spülmaterial.
      • INDX eliminiert dieses Problem dank eigener Düsen für jedes Material praktisch vollständig.
    2. Höhere Wiederholbarkeit und weniger manueller Bedienaufwand

      • Die Möglichkeit, bis zu 8 Spulen gleichzeitig zu laden und den Drucker ohne Eingriff des Bedieners arbeiten zu lassen, (prusa3d.com)
      • ist ideal für die Auftragsfertigung kleinerer Serien mit häufigen Farb- oder Materialwechseln.
    3. Kombination von Materialien in einem Druck

      • hartes + ibles Material (z. B. PETG + TPU) in einem Bauteil,
      • Konstruktionsteil + lösliche Stütze,
      • ästhetische Außenhülle + technischer Kern.
    4. Bessere Nutzung des geschlossenen Bauraums des Core One

      • Dank der Temperaturregelung im Bauraum und der vollständig geschlossenen Konstruktion bewältigt der Core One auch technische Materialien gut,
      • mit INDX können gleichzeitig Materialien verarbeitet werden, die andernfalls häufige Spulenwechsel erfordern würden.

    Konkrete Anwendungsszenarien

    1. Funktionale Teile mit weichen Einlagen

    Zum Beispiel:

    • Werkzeuggriffe mit weichem Grip,
    • Dämpfungselemente,
    • Scharniere und Gelenke mit iblen Teilen.

    Core One + INDX ermöglicht den Druck des tragenden Teils aus PETG oder ASA und der iblen Elemente aus TPU in einem Durchgang ohne manuelle Unterbrechung und Filamentwechsel.

    2. Mechanismen mit löslichen Stützen

    Der Druck komplizierter Innenkanäle oder Hohlräume erfordert häufig Stützen, die sich nicht leicht entfernen lassen.

    Mit INDX können Sie:

    • das Hauptteil aus PETG oder Nylon drucken,
    • die Stützen aus löslichem Material drucken,
    • das Teil nach dem Druck einfach in ein Bad legen und die Stützen auflösen lassen.

    3. Produkte mit Branding und farbigen Schichten

    Für die Auftragsfertigung:

    • Logos und Texte in Kontrastfarbe,
    • mehrfarbige Bedienelemente,
    • farbige Einlagen in technischen Bauteilen.

    Dank der schnellen Werkzeugwechsel und des Verzichts auf Purge-Türme lassen sich solche Teile wirtschaftlicher herstellen als mit klassischen Multimaterialsystemen.


    INDX vs. andere Toolchanger und konkurrierende Systeme

    Auf dem Markt gibt es bereits mehrere Toolchanger-Konzepte (z. B. bei CoreXY-Druckern anderer Marken) sowie Kombinationen aus mehreren Extrudern und Förderern. Was macht INDX anders? (pu-magazine.com)

    1. Ein aktiver Extruder, mehrere passive Werkzeuge

      • Statt acht vollwertiger Druckköpfe haben Sie einen intelligenten Kern und maximal acht leichte Module mit Düsen,
      • das reduziert die Kosten und das Gewicht des Systems.
    2. Induktionserwärmung und schneller Wechsel

      • minimiert die „Totzeit“ beim Werkzeugwechsel,
      • erhöht die Effizienz insbesondere bei häufigem Wechsel von Farben und Materialien.
    3. Fokus auf praktische Anwendung, nicht nur auf die Demonstration von Möglichkeiten

      • Das Design zielt darauf ab, das System erweiterbar (4 → 8 Werkzeuge) zu machen,
      • damit es sowohl in der Heimwerkstatt als auch in der kleinen Produktion gut funktioniert.

    Was Sie vor der Anschaffung von Core One + INDX bedenken sollten

    Bevor Sie sich für diese Kombination entscheiden, sollten Sie einige praktische Aspekte bedenken.

    1. Aufstellung und Platzbedarf

    • Das System benötigt im Inneren des Druckers etwas mehr Platz (vordere Werkzeug-Docking-Schiene),
    • daher sollte ein guter Zugang für Düsenwechsel und Wartung eingeplant werden.

    2. Materialportfolio

    Überlegen Sie, welche Projekte Sie am häufigsten drucken:

    • Wenn einfarbige technische Teile überwiegen, reicht möglicherweise der Core One allein aus.
    • Wenn Sie häufig zwischen mehreren Farben oder einer Kombination aus hartem/iblem/löslichem Material wechseln, wird INDX besonders interessant.

    3. Slicer und Workflow

    • Sie sollten berücksichtigen, dass die Vorbereitung von G-Code für 8 Materialien komplexer ist als bei einem klassischen Einmaterialdruck.
    • Es lohnt sich, Folgendes anzulegen:
      • eine Bibliothek mit Materialprofilen (Temperaturen, Geschwindigkeiten, Retraktion),
      • Projektvorlagen für typische Kombinationen (z. B. Konstruktionsteil + TPU-Dichtung),
      • eine klare Namensstruktur für Filamente und Slots (damit Sie immer wissen, was wo geladen ist).

    4. Service und Wartung

    • Mehr Werkzeuge bedeuten mehr Düsen und Filamentwege, die gewartet werden müssen,
    • andererseits führt der Verschleiß einer einzelnen Düse nicht zum Stillstand des gesamten Systems, sondern nur des jeweiligen Werkzeugs.

    Tipps, wie Sie das Maximum aus INDX herausholen

    1. Beginnen Sie mit 2–4 Werkzeugen

      • Auch wenn es verlockend ist, sofort alle 8 zu nutzen, ist es für den Anfang sinnvoll, mit einer kleineren Anzahl an Materialien zu beginnen und Zuverlässigkeit sowie Einstellungen zu überprüfen.
    2. Teilen Sie die Werkzeuge nach Aufgabentypen auf

      • z. B.:
      • Werkzeug 1–2: primäre Konstruktionsmaterialien (PETG, ASA),
      • Werkzeug 3: Stützen (dasselbe Material mit anderen Einstellungen oder ein anderes Material),
      • Werkzeug 4: ibles Material (TPU),
      • Werkzeug 5–8: Farben / Spezialmaterialien für konkrete Aufträge.
    3. Verwenden Sie unterschiedliche Düsen für verschiedene Materialien

      • abrasive Materialien (CF-, GF-gefüllte Filamente) immer mit einer gehärteten / Rubin-Düse,
      • gewöhnliche Materialien mit Messingdüsen für eine bestmögliche Oberflächenqualität.
    4. Testen Sie die Haftung zwischen den Materialien

      • Nicht alle Materialkombinationen haften gut aneinander,
      • vor einer Serie empfiehlt es sich, einfache Verbindungsproben zu drucken (z. B. ein „Sandwich“ aus zwei Materialien) und sie mechanisch zu trennen.
    5. Nutzen Sie den geschlossenen Bauraum des Core One

      • Halten Sie bei technischen Materialien (ABS/ASA, Nylon, PC) eine stabile erhöhte Temperatur im Bauraum,
      • bei Materialien, denen eine heiße Umgebung nicht zugutekommt (z. B. einigen TPUs), sollten Sie ein eigenes Werkzeug mit einer anderen Kühlungseinstellung und einem geringeren Zeitanteil im Druckraum in Betracht ziehen.

    Für wen die Kombination aus Core One + INDX ideal ist

    1. Kleine Produktionsunternehmen und Auftragswerkstätten

    • Aufträge für kleine und mittlere Serien funktionaler Teile,
    • der Bedarf, schnell zwischen Materialien und Farben zu wechseln, ohne die Spulen häufig manuell auszutauschen.

    2. Entwicklungs- und Prototypenteams

    • Iteration von Prototypen aus verschiedenen Materialien,
    • Druck von Baugruppen, die harte und ible Teile in einem Schritt kombinieren.

    3. Fortgeschrittene Hobbyanwender

    • Enthusiasten, die die Möglichkeiten klassischer Einmaterialdrucker und der MMU bereits ausgeschöpft haben,
    • mit Fokus auf komplexe, mehrfarbige und multimateriale Projekte.

    Zusammenfassung: der nächste Evolutionsschritt im Multimaterial-FDM-Druck

    Der Prusa Core One allein stellt bereits eine moderne, geschlossene und gut abgestimmte CoreXY-Plattform dar. In Kombination mit Bondtech INDX wird er jedoch zu einem vollwertigen Multimaterial-Produktionswerkzeug der nächsten Generation.

    Die wichtigsten Vorteile dieser Kombination:

    • bis zu 8 Materialien, ohne Spulen manuell umstecken zu müssen,
    • praktisch kein Abfall durch Purge-Türme,
    • schnelle Werkzeugwechsel dank Induktionserwärmung,
    • die Möglichkeit, harte, ible und lösliche Materialien in einem Teil zu kombinieren,
    • bessere Wirtschaftlichkeit und höhere Produktivität für den professionellen Einsatz.

    Wenn Sie darüber nachdenken, Ihre 3D-Drucke von „farbigen Modellen“ zu wirklich funktionalen Multimaterial-Produkten weiterzuentwickeln, ist die Kombination aus Prusa Core One + Bondtech INDX eine der interessantesten Lösungen, die die FDM-Welt derzeit bietet.

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